Aus den Regionen

Gemeinsame Sprache – gemeinsame Zukunft!

LV Büro - 21. Februar 2013

von Saskia Herklotz

„Eine gemeinsame Zukunft wagen!“ Unter diesem Motto fand Ende Oktober die erste deutschsprachige polnísch-tschechische Jugendbegegnung in den Beskiden statt.


Die Ideengeber und Organisatoren der grenzüberschreitenden Jugendbegegnung waren Ulrich Spainghaus, Zweiter Vorsitzender der Ortsgruppe Teschen und Kreisvorstand des Deutschen Freundeskreises (DFK) Beskidenland, sowie Hans Mattis, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Teschner Schlesien und Leiter des Begegnungszentrums Haviřov. Zu dem dreitägigen Seminar kamen 22 Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren aus dem polnischen Bielsko-Biala und Teschen, aus Ostrava (Ostrau) und Haviřov in Kunčice pod Ondřejnikem (Kunzendorf) zusammen.


Viele Minderheitenverbände bemühen sich, interessante Angebote für Jugendliche zu entwickeln. In Kunzendorf hatten die Jugendlichen nun einmal die Gelegenheit, selbst zu Wort zu kommen und eigene Projektideen zu entwickeln und vorzustellen. Unterstützt wurden sie dabei von Christiane Seifert, ifa- Kulturmanagerin bei der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien, und Saskia Herklotz, ifa-Kulturmanagerin im Bezirksbüro des Deutschen Freundschaftskreises Schlesien in Ratibor, die das Seminar leiteten. Die ganz unterschiedlichen Interessen und Hintergründe „unter einen Hut zu bringen“ und auch die unterschiedlichen sprachlichen Niveaus auszugleichen, war dabei sicherlich die größte Herausforderung.
Mit einem vielfaltigen Programm, in dem sich Phasen konzentrierter Arbeit, knifflige Rätsel und Spiele abwechselten, und mit einer dreisprachigen Sprachanimation stellten sich die beiden ifa-Kulturmanagerinnen der Herausforderung. Die Jugendlichen beteiligten sich ganz selbstverständlich tatkraftig am Programm und gestalteten einen bunten Abend mit Schnitzeljagd, Rätselwettbewerb und Tanzstunde. Krönender Abschluss des Seminars war ein Sonntagsausflug auf den Radhoscht (Radhošť). Auf dem langgestreckten Bergrücken befinden sich Holzhäuser aus der Zeit der Jahrhundertwende in nachempfundener walachischer Bauweise. Der slawische Sonnengott Radegast, dem der 1129 Meter hohe Berg seinen Namen verdankt, meinte es überaus gut mit seinen Besuchern und schenkte ihnen strahlenden Herbstsonnenschein.
Zuvor stand am Freitag und Samstag neben der Projektplanung natürlich auch die deutsche Sprache im Vordergrund. Dass das Sprachenlernen dabei auch Spass machen kann, zeigte sich schnell, denn alle Teilnehmer präsentierten am Ende der drei gemeinsamen Tage mit glühendem Eifer die Ergebnisse ihrer Arbeit auf Deutsch.

Ab ins All!
Und die können sich sehen lassen: In mehreren Gruppen konnten die Schüler und Studenten ihrer Phantasie freien Lauf lassen: Da reiste Maus Gustav durch das All, traf den Rosa Elefanten und lernte das Grüne Marsmännchen kennen und lernte ganz nebenbei auch die Sprache seiner neuen Freunde.
Aus diesen Gedankenspielen erarbeiteten die Jugendlichen dann wiederum vier ganz unterschiedliche konkrete Projektideen: Das Reisen und die Welt entdecken standen dabei für die jungen Deutschlerner im Zentrum. Was liegt da also näher als eine wilde Schnitzeljagd in deutscher Sprache oder – wie im Projekt „Male Dir deine Welt!“ – die gemeinsame Gestaltung und Verschönerung grauer Häuserwande durch die Bewohner einer Stadt.
Es gab sogar erste Planungsschritte der Jugendlichen, um diese hochfliegenden Träume in die Tat umzusetzen. Aber vorwärts geht es nur einen Schritt nach dem anderen – das gilt nicht nur für die entwickelten Projektideen, sondern auch für das Seminar und die dahinterstehende Idee: nämlich in den Beskiden die Zusammenarbeit zwischen polnischen und tschechischen Minderheitenorganisationen auszubauen, verschiedene Partner vor Ort einzubeziehen und eine grenzüberschreitende Jugendgruppe zu gründen. So kann die deutsche Minderheit in dieser europäischen Grenzregion ihre Funktion als Mittler und Brückenbauer wahrnehmen. Der Anfang dazu ist ganz sicher gemacht: Am Ende waren sich nämlich alle einig, dass es weitergehen soll. Wie – das steht noch ein wenig in den Sternen, die die Maus Gustav mit ihrem Raumschiff bereist hat. Aber vielleicht wird sie ja demnächst wieder einmal auf der Erde landen. Ein zweites Seminar, das im Januar 2013 stattfinden soll, ist bereits in Planung. Diesmal in den polnischen Beskiden. Denn Projekte planen, Deutsch üben und Skifahren, das passt doch wunderbar zusammen!

Die Autorin arbeitet als ifa-Kulturmanagerin im Bezirksbüro des Deutschen Freundschaftskreises Schlesien in Ratibor.

Bilder des Jugendseminars finden Sie hier.