Aus den Regionen

Zeitzeugengespräche - grenzüberschreitend

LV Büro - 28. Mai 2013

BGZ Komotau, Karin Štefanová & Helga Vaňková

Zeitzeugenbericht KomotauAus der langjährigen Zusammenarbeit mit Herrn Heinz Melzer aus dem Erzgebirge sowie dem BGZ Komotau entstand ein Zeitzeugenprojekt: Mitglieder des Verbands in Komotau stellten sich den Fragen der Schüler in Großrückerswalde. Damit erhofften sich die Organisatoren die Jugend über das Leben der in Tschechien lebenden Deutschen zu informieren.
Am 11. Mai stellten sich also Karin Štefanová und Helga Vaňková dieser Herausforderung - wie würden wohl die Schüler auf die Ausführungen zweier älterer Damen reagieren?

Nach einer kurzen Vorstellung gaben beide Frauen zuerst einen kurzen geschichtlichen Überblick über die Existenz der Deutschen in Böhmen, die bereits 800 Jahre zurückführt und auf die Könige Böhmens zurückführt: Diese riefen nämlich die Deutschen bereits im Mittelalter ins Land, um es urbar zu machen und somit seine die Deutschen nicht erst mit Hitler nach Böhmen oder Mähren gekommen.

Allerdings führten einige historische Ereignisse dazu, dass sich der Hass der Tschechen auf die Deutschen immer mehr steigerte: Zu diesen Ereignissen zählen die Abtrennung und Angliederung der Grenzregionen 1938 an Großdeutschland, ebenso wie das Münchener Abkommen, die Besetzung der „Resttschechei“ im Frühjahr 1939 durch deutsche Truppen und die Schaffung des Protektorats Böhmen und Mähren.

Schon beim Einmarsch der russischen Armee nach Böhmen kam es zu Gräueltaten und Vergewaltigungen deutscher Frauen. Frau Vankova konnte berichten, wie sie selbst sich versteckte und dass eine Frau, die gerade ein Kind zur Welt brachte, von den Soldaten missbraucht wurde. Viele Tschechen schlossen sich diesen Unmenschlichkeiten an, fest im Glauben, die Deutschen seien zum Freiwild geworden. Es kam zu sogenannten Todesmärschen, auch von Komotau aus zur deutschen Grenze. Mit nur 30 bis 50 kg Gepäck mussten die deutschsprachigen Böhmen ihre liebe Heimat verlassen.

Auch die im Lande verbliebenen Deutschen, die zurückgehalten wurden, weil sie als Facharbeiter als unentbehrlich galten, Antifaschisten waren oder in Mischehen lebten sowie Besitzlose, hatten es nicht leicht: Deutsch zu sprechen war verboten und es gab keine deutschsprachigen Schulen mehr. Zusätzlich drohte noch das Schicksal der sogenannten Inneren Vertreibung, bei der die Deutschen ins Inland zur Arbeit in Landwirtschaft und Schwerindustrie versetzt wurden.

Die verschiedensten Fragen der Schüler zeigten, wie interessiert sie den Ausführungen der beiden Frauen gefolgt waren. Herr Thomas Keilhack und Frau Sonja Stoll – Geschichtslehrer an der Evangelischen Mittelschule Großrückerswalde - dankten im Abschluss Herrn Heinz Melzer für die Idee und den beiden Vortragenden mit der Hoffnung, im kommenden Jahr in weiteren Klassen solche Zeitzeugenberichte den Schülern zu ermöglichen.