Aus den Regionen

Grenzenlos kreativ

LV Büro - 21. Februar 2013

von

Saskia Herklotz, ifa-Kulturmanagerin beim DFK Schlesien in Ratibor

Anfang Februar fand in Kunčice pod Ondřejníkem (Kunzendorf) unter dem Titel „Gustav Maus“ bereits das zweite deutschsprachige polnisch-tschechische Jugendseminar statt.

Drei Tage lang trafen sich 22 Jugendliche aus den polnischen und tschechischen Beskiden, um gemeinsam Comics zu zeichnen, Deutsch zu sprechen und Projekte zu planen. Höhepunkt und inhaltlicher Schwerpunkt des zweiten Seminars war ein ganztägiger Comic-Workshop. Unter der fachkundigen Anleitung von Barbara Šalamoun, Dozentin an der Westböhmischen Universität Pilsen, drehte sich am Samstag sieben Stunden lang alles um Mimik und Gestik von Comic-Helden, Sprechblasen, Begleittexte und Bildausschnitte. Die Teilnehmer gingen auch selbst ans Werk: Im Laufe des Tages entstanden unterschiedliche Werke, die zur Krönung abends in einer kleinen Ausstellung präsentiert wurden. „Wir haben dieses Thema natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken gewählt“, so Christiane Seifert, ifa-Kulturmanagerin bei der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Saskia Herklotz, ifa-Kulturmanagerin beim DFK Schlesien in Ratibor, war sie an der Planung und Durchführung des Seminars maßgeblich beteiligt. „Comics eignen sich ganz wunderbar für die Verbindung von mehreren Sprachen – das macht unser Seminar gerade aus! Und die Teilnehmer können nach nur einem Tag schon fertige Ergebnisse mit nach Hause nehmen.“

Comics, Buttons und Pistenspaß

Ein Renner war auch das Button-Basteln – dabei konnten die Teilnehmer ihre neu gewonnenen Zeichenkenntnisse gleich anwenden und umsetzen. Die

kleinen bunten Anstecker entstanden fast wie am Fließband, Kreisschneider und Prägemaschine liefen stundenlang auf Hochtouren. Und auch hier war sehr gut zu beobachten: Gegenüber dem Englischen, Tschechischen und Polnischen überwog ganz eindeutig das Deutsche. „Natürlich sollen die Kinder vor allem Deutsch sprechen, schließlich haben die deutsche Sprache und Kultur diese Region wesentlich geprägt“, betonen die Initiatoren, Hans Mattis vom VdD des Teschner Schlesiens/ BGZ Havířov und Ulrich Späinghaus vom DFK-Kreisverband Beskidenland. „Aber wenn wir ihnen die enormen Vorteile der Mehrsprachigkeit an sich nahebringen können, dann wirkt sich das auch auf die Verwendung der deutschen Sprache nur positiv aus.“ In der Tat zeigte sich, dass im Vergleich zum ersten Seminar im Oktober 2012 die Kinder und Jugendlichen – in der Regel keine Muttersprachler – bereits viel selbstverständlicher Deutsch redeten und schrieben. „Sie sollen Spaß an der Sprache haben und ihre Angst vor Fehlern verlieren“, so die ifa-Kulturmanagerinnen. „Dann kommt die Grammatik von ganz allein.“

Krönender Abschluss des Seminars war ein Ausflug in das Skigebiet Bílá am Sonntag. Denn Zielsetzung der Initiative ist es auch, die Jugendlichen mit ihren Wünschen und Ideen in die inhaltliche Planung der Seminare einzubeziehen. Es war ein hartes Stück Arbeit und viel organisatorischer Kleinkram, diesen Wunsch der Jugendlichen in die Tat umzusetzen – aber die strahlenden Gesichter der Pistenstürmer gaben den Organisatoren

Recht: Der Aufwand hat sich gelohnt.

Besonders freute die Organisatoren die Tatsache, dass über die Hälfte der Teilnehmer „Wiederholungstäter“ waren – sie haben schon am ersten Seminar teilgenommen und wollen auch in Zukunft gerne wiederkommen. Nun sind also alle auf die dritte geplante Begegnung gespannt, die im Juni 2013 stattfinden soll, diesmal in den polnischen Beskiden. Die Vorbereitungen haben schon begonnen und über das inhaltliche Thema haben die Jugendlichen bereits abgestimmt. Mehr wird aber noch nicht verraten.

Das Projekt „Gustav Maus“ geht auf eine Kooperationsinitiative des Verbands der Deutschen des Teschner Schlesiens und des DFK-Kreises Beskidenland zurück, die langfristig in die Gründung einer grenzüberschreitend aktiven Jugendgruppe münden soll.