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BUSOW – Vergangenheit und Zukunft

Autor des Textes: Richard Neugebauer

Das Bildungs- und Sozialwerk, kurz BUSOW, setzt sich seit über 15 Jahren für die sozialen Belange der deutschen Minderheit in Tschechien ein.
Alle Institutionen, über die die deutsche Minderheit in Tschechien heute verfügt, sind in der großen Gründerzeit Anfang der neunziger Jahre entstanden. Die Begegnungszentren, die gemeinnützige Gesellschaft BOHEMIA Troppau (1992), die Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung und das Thomas-Mann-Gymnasium (1991). So auch das Bildungs- und Sozialwerk, genannt BUSOW.

Im September 1995 gründete die Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien (LV) die Stiftung „Osvětové a sociální dílo“ („Aufklärungs- und Sozialwerk“). Der Sitz war zunächst in Reichenberg (Liberec), denn der erste Verwalter der Stiftung war der dort ansässige spätere Präsident der LV Erwin Šolz.
Der Anfang von BUSOW war nicht leicht: Es gab kein eigenes Büro, keine Angestellten und auch kein Inventar. Doch die Aufgaben waren klar: Die Stiftung kümmerte sich um Pflegedienste, leistete finanzielle Hilfen für Senioren und bezuschusste Kuraufenthalte für die vor 1946 geborene Generation, die während des Sozialismus unter ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit gelitten hatte. BUSOW unterstütze Rehabilitationsmaßnahmen für Menschen, die unter der sogenannten „inneren Vertreibung“ zu leiden hatten, die Zwangsarbeit verrichten mussten oder am Studium gehindert wurden. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unterstützte diese Kurmaßnahmen.
Ein weiterer Schwerpunkt von BUSOW lag zu Beginn auf der Bildungsarbeit. Konkret wurde Deutsch als Muttersprache gefördert und es wurden Seminare für Erwachsene veranstaltet. Außerdem verwaltete BUSOW Zuschüsse für Altersheime und soziale Einrichtungen oder, im Juli 1997, für die Betroffenen des
Hochwassers, aber auch für Kinderferienlager in Hohenberg oder Bad Kissingen. Die Mittel dazu kamen aus Deutschland – vornehmlich aus dem Bundesministerium des Inneren.
Im Jahre 1998 wurde die Rechtsform wegen der Änderung des Stiftungsgesetzes in eine „gemeinnützige Gesellschaft“ umgewandelt. Der Sitz wurde nach Dauba (Dubá) verlegt, um dem neuen Direktor Walter Piverka Junior, der dort eine Firma hatte, die Arbeit zu erleichtern. Herr Piverka Junior stand BUSOW vor, solange es seine Berufstätigkeit zuließ. Allmählich verlagerte sich die Arbeit auf andere freiwillige Helfer. Vor 2006 kümmerten sich insbesondere die Eheleute Veronika und Peter Krohe um Anträge, Kuraufenthalte und Abrechnung.
Zu dieser Zeit führte man zusätzlich zu den Kuraufenthalten die sogenannte „Kleine Reha“ ein, die aus unterschiedlichen Anwendungen besteht. Die Organisation der Kinderferienlager übernahm unterdessen die LV.

 

Schwerer Rückschlag
2006 erlitt BUSOW einen herben Rückschlag: Die Bank, bei der sich das BUSOW-Konto befand, meldete Konkurs an. In dieser Krise ersuchte man die LVTochtergesellschaft BOHEMIA Troppau um Hilfe. So wurde ich 2006 erst zum Krisenmanager und später zum Direktor von BUSOW. Heute finanziert BUSOW zum einen aus eigenen Mitteln und zum anderen mit Unterstützung des Zukunftsfonds Rehabilitationsmaßnahmen, an denen sich auch die Mitglieder der deutschen Minderheit mit einem Eigenanteil beteiligen. Antragsberechtigt für die REHA-Projekte sind nur tschechische Bürger deutscher Nationalität, die vor dem 1.1.1946 geboren sind. Das bedeutet, dass die Anzahl der Anträge unaufhaltsam sinken wird. So verringerte sich beispielsweise zwischen 2007 und 2010 die Zahl der Anträge für die „Kleine Reha“ von 154 auf 93.
Die Rehabilitationsmaßnahmen dienen nicht nur der Vorsorge, der Stärkung der Gesundheit und der Genesung, sondern sie sind auch für die Gemeinschaft innerhalb der deutschen Minderheit von großer Bedeutung: Man kommt zusammen, tauscht sich aus und schwelgt in Erinnerungen – manchmal auch schmerzhaften. So dass nicht nur der Körper, sondern auch der Geist gestärkt wird. Und schließlich hat besonders in Tschechien die Badekultur eine lange Tradition.
In diesem Jahr trafen sich sieben Mitglieder der Minderheit aus Mähren und Schlesien im Sanatorium Klimkovice (Königsberg in Schlesien). „Für den Kurgast gibt es in Klimkovice sehr viele Therapiemöglichkeiten wie Badekuren in den Salzquellen, Elektromassagen und ein großes Schwimmbad: sozusagen alles für die Therapie des Bewegungsapparates und neurologischer Krankheiten“, sagt Kurgast Rudolf Hájek, Mitglied in der Gemeinschaft schlesisch-deutscher Freunde im Hultschiner Ländchen.

Auf in die Zukunft!
Um eine ausgeglichene Bewilligung der Anträge sicherzustellen, wurde auf Vorschlag von LV-Altpräsident Walter Piverka Senior ein Punkte-System eingeführt. Es berücksichtigt das Alter, die Häufigkeit der Kuraufenthalte, das Ausmaß des Leidens auf Grund der Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit sowie das Engagement für die Minderheit der einzelnen Antragsteller.
Die Jahresbetriebskosten von BUSOW belaufen sich auf etwa 200 000 Kronen (8 000 Euro) und mein Netto-Lohn beträgt 5 086 Kronen im Monat. Die Mitglieder des Verwaltungs- und Aufsichtsrates arbeiten ehrenamtlich. BUSOW bekommt keinerlei finanzielle Unterstützung für die Betriebskosten. Daher sind wir gezwungen, neue Projekte zu gestalten, um zu überleben.
In diesem Jahr erhielt BUSOW erstmals Projektgelder vom Rat der Regierung für nationale Minderheiten und der Landesversammlung für die Analyse des Deutschunterrichts in Nordmähren. Dabei werden das Potential und die Mängel von Deutschunterricht im privaten und öffentlichen Bereich in Nordmähren untersucht. So kehrt BUSOW in Sachen Bildungsarbeit zu den Wurzeln aus der Gründungszeit zurück.
Weitere Überlegungen für die Zukunft sind deutschsprachige Kindergärten aufzubauen oder eigene Deutschkurse anzubieten. Auch die Organisation eines Kinderferienlagers kann man sich vorstellen.
Der Sitz in der Universitätsstadt Troppau (Opava) legt auch eine Kooperation mit der Hochschule nahe. Der Weg ist frei. Man muss sich nur bemühen.
Der Autor ist Präsidiumsmitglied der LV und seit 2006
Direktor von BUSOW.

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