Menü

LV aktuell - Was gerade passiert...

Deutsch als Lingua Franca entdecken

von Saskia Herklotz

Teambesprechung miniDas Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) und das Goethe-Institut Krakau organisieren in Zusammenarbeit mit dem Bund der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM) und der Deutschen Bildungsgesellschaft in Oppeln von 06. bis zum 19. Juli 2014 das internationale Sommercamp „Europa verbinden – Jugend bewegen“ für Jugendliche der deutschen Minderheit aus 7 europäischen Ländern. Die LandesZeitung sprach mit der Projektkoordinatorin Manuela Leibig vom BJDM in Oppeln.


LZ:
Sommercamp Europa verbinden Jugend bewegen – wie ist diese Projektidee entstanden?

ML: Es gibt in den DMi-Strukturen viele Angebote für Kinder zwischen 8 und 15 Jahren und dann wieder für junge Erwachsene von 18 bis 30 Jahren. Da ist eine Lücke für die 15 bis 18 Jährigen entstanden, die bestimmt gerne etwas machen würden, aber für die Kinderfreizeiten „zu alt“ und für anderweitige Angebote wiederum „zu jung“ sind. Diese Zielgruppe wollen wir erreichen und fördern.

LZ: Wer steht hinter dem Projekt?

ML: Das Goethe-Institut und das Institut für Auslandsbeziehungen sind wichtige deutsche Mittlerorganisationen bei der Minderheitenförderung in Mittel- und Osteuropa – das Goethe-Institut vor allem auf dem Gebiet der Sprachförderung, das ifa bei der außerschulischen Jugend- und Bildungsarbeit und im Bereich neue Medien. Die Zusammenarbeit dieser beiden Organisationen birgt also große Chancen und Impulse – viel größere, als wenn jede Organisation allein ein eigenes Projekt machen würde. Das Gleiche gilt für die Partnerorganisationen aus der DMi: Der BJDM ist der polenweit aktive Jugendverband der DMi, die dbg ist eine Bildungsinstitution. Die Schwerpunkte des Sommercamps werden auf der Vermittlung von kommunikativen Sprachkompetenzen und Vermittlung von Medienkompetenzen liegen. Medien sind ein Th ema, mit dem sich die Zielgruppe 15-18 jähriger Jugendlicher ohnehin befasst.

LZ: Das Sommercamp ist also international – wo kommen die anderen Teilnehmer her?

ML: Aus der Deutschen Minderheit in Polen, Rumänien, Tschechien, Kroatien, Slowakei und der Ukraine sowie aus Deutschland.

LZ: Wieso ausgerechnet diese Länder und keine anderen?

ML: In allen diesen Ländern ist die Deutsche Minderheit vertreten, und wir wollten gerade, dass die Jugendlichen aus der DMi in ganz Europa die Möglichkeit haben sich kennen zu lernen. Wir hoffen, dass aus dem Sommercamp Freundschaften entstehen und darauf aufbauend Zusammengehörigkeitsgefühl und Verständnis füreinander. Weiter wollen wir die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen der Deutschen Minderheit auf diese Weise aktivieren oder die bestehende aufrechterhalten. Die DMi soll auch in Zukunft bestehen bleiben, und Jugendliche sind Zukunft. Eine internationale Zusammenarbeit ist immer vorteilhaft und bringt frischen Wind in die jeweilige Organisation!

LZ: 70 Jugendliche aus 7 Ländern – wie verständigen die sich?

ML: Da alle Teilnehmer aus verschiedenen Ländern kommen, sprechen sie verschiedene Sprachen – aber die alle verbindende Gemeinsamkeit ist die Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit und damit zur deutschen Sprache. Die Lingua Franca des Sommercamps ist also Deutsch. Natürlich wird niemandem verboten, die eigene Sprache oder den eigenen Dialekt zu benutzen, aber Deutsch wird ganz naheliegend die gemeinsame Sprache aller Teilnehmer sein.

LZ: Wird es dann mitten in den Ferien Deutschunterricht geben?

ML: Der Erwerb von Sprachkenntnissen ist natürlich ein Ziel des Projekts – aber bestimmt nicht als Frontalunterricht! Vor allem sollen die Teilnehmer kommunikative Sprachkompetenzen erwerben – oder anders gesagt: einfach sprechen und keine Angst davor haben, Fehler zu machen. Der Unterricht erfolgt in Projektform, also anhand von konkreten Themen und Fragestellungen. Dabei können die Teilnehmer auch voneinander lernen. Das stärkt wiederum auch interkulturelle Kompetenzen…

LZ: Was bitte genau ist interaktiver Sprachunterricht?

ML: Interaktiver Sprachunterricht in Projektform ist zunächst einmal ganz einfach: anders als der traditionelle Sprachunterricht in der Schule! Da steht also kein Lehrer vor der Tafel und quasselt die Schüler voll, es werden weder Grammatik gepaukt noch Vokabeln abgefragt. Das heißt, die Teilnehmer gestalten den Unterricht mit: Sie sollen sich so viel wie möglich selber erarbeiten und Spaß dabei haben! Auf der Suche nach innovativen Formen für den Sprachunterricht haben uns für das Konzept des projektorientierten Unterrichts entschieden. Noch vor Beginn des Sommercamps wählen die Teilnehmer aus angebotenen Themen eines aus, mit dem sie sich während der zwei Wochen beschäftigen wollen. Das erkläre ich am besten an einem Beispiel: Einer unserer Partner vor Ort ist ein Steinmetz, Inhaber eines Familienbetriebs, der vor über 100 Jahren in der Region von Nowy Gierałtów gegründet wurde. Dieser Mann wird uns vor Ort in die Firmengeschichte einführen und wir werden die Möglichkeit haben, auch selber Steine zu bearbeiten. Dieses Unterfangen werden die Teilnehmer mit einem ausgewählten Medium (Theater, Zeitungsbericht, Radio oder Fernsehbeitrag) dokumentieren und präsentieren. Wir haben hier also eine Verbindung von Aufarbeitung der Regionalgeschichte und Vermittlung von Medienkompetenzen – und dabei geht es vordergründig gar nicht in erster Linie um die Sprachvermittlung, aber man muss hier immer im Kopf haben, dass der gesamte Arbeitsprozess auf Deutsch stattfindet! Die Teilnehmer erwerben also konkrete Kenntnisse und erweitern ihr Vokabular in der Auseinandersetzung mit einem Thema und einem Medium.

LZ: Und welche Medienworkshops wird es geben?

ML: Unter dem Stichwort Medien verstehen wir beim Sommercamp nicht nur traditionelle Medien wie Radio, Film oder Printmedien, sondern auch Darstellungs- und Ausdrucksformen wie etwa Theater: grob gesagt alle Mittel und Wege, mit deren Hilfe man Dinge einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren kann.

LZ: Spannendes Projekt, aber warum ausgerechnet so weit draußen?

ML: In Nowy Gierałtów sind wir von der Natur umgeben und haben die Möglichkeit, in der polnisch/tschechischen Grenzregion spannende Geschichten und Persönlichkeiten zu entdecken und zu erforschen. Wir wollen aber niemandem das Stadtleben vorenthalten! Beim Sommercamp ist auch ein ganztägiger Ausflug nach Breslau sowie eine Exkursion nach Glatz geplant.

LZ: Ist eine Fortsetzung geplant und wenn ja wie wo und wann?

ML: Das Sommercamp ist defi nitiv nicht als Eintagsfliege geplant! Vielmehr soll das Projekt in den kommenden Jahren fortgeführt werden: 2014 ist Polen das Gastgeberland, 2015 und 2016 soll das Sommercamp in den Partnerländern Tschechien und Rumänien stattfinden. Gerade deshalb sind uns ja auch die Kontakte und Kooperationen zwischen den verschiedenen DMi-Organisationen, die das Sommercamp initiieren, so wichtig!

LZ: Wo kann man sich informieren und mit anderen Teilnehmern ins Gespräch kommen?

ML: Bewerben können sich Jugendliche von 14 bis 17 Jahren mit Grundkenntnissen der deutschen Sprache – das Anmeldeformular findet sich zum Beispiel auf den Seiten der Landesversammlung und des BJDM. Informationen zum Projekt finden sich vor allem auf der Facebook-Seite des Sommercamps: https://www.facebook.com/europaverbindenjugendbewegen


Das Interview führte Saskia Herklotz, ifa-Kulturmanagerin in Ratibor.

 

Dieser Artikel erschien in der LandesZeitung 7/8 2014.

Unsere Partner und Förderer

logo BMI   logo Botschaft   Ifa ohne cmyklogo ministerstvo-kultury logo Zukunftsfonds         GI Logo horizontal green sRGB    201310 AGDM WEB Banner7

Zum Anfang

Copyright © 2012 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.