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Bildungsseminar in der Walachei

von Richard Šulko
IMG 2460Der Verband der Deutschen (VdD) des Teschner Schlesiens aus Havířov organisierte dank der finanziellen Unterstützung seitens des Bundesministeriums des Innern und der Stadt Mährisch Ostrau (Ostrava) auch dieses Jahr ein sehr umfangreiches Bildungsseminar. Diesmal besuchten die Gäste aus der ganzen Tschechischen Republik die Walachei. Das Städtchen Ober Betzwa (Horní Bečva) war vier Tage lang Veranstaltungsort und Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung.

Seminarleiter Hans Mattis, Leiter des Havířover Vereins, machte die Teilnehmer am Anreisetag mit dem Programm im Detail bekannt. Der Tag klang beim gemütlichen Beisammensein aus.
Direkt nach dem Frühstück begann am nächsten Morgen die Erkundung der Umgebung. Am Besuch der örtlichen Talsperre und der St. Johann- und Paul-Kirche, den ersten Sehenswürdigkeiten auf dem Programm, waren alle Teilnehmer beteiligt.
Den ersten Vortrag nach dem Mittagessen hielt Hans D. Korbel, Leiter des Schlesisch-Deutschen Vereins in Troppau (Opava), zur Zusammenarbeit mit der Ackermann-Gemeinde (AG). Am Anfang erklärte er den Zuhörern, wie es zu der Gründung der AG in Deutschland im Jahre 1946 kam. Schon früh hatte es Versuche der grenzübergreifenden Zusammenarbeit mit Christen in der Tschechoslowakei gegeben. So wurde beispielsweise 1979 zum achtzigsten Geburtstag von Kardinal František Tomášek ein mit religiösen Büchern vollbeladener Lastwagen über die Grenze geschickt.
Die heutige tschechische Schwesterorganisation der AG heißt Sdružení Ackermann-Gemeinde und wurde im Jahre 1999 gegründet. Sehr viele Christen aus den Reihen der deutschen Minderheit sind auch Mitglieder dieser Organisation. Der aktuelle Vorsitzende ist Daniel Herman, derzeitiger Kulturminister Tschechiens.
In seinem zweiten Vortragsteil erwähnte Korbel das Thema der deutschen Soldatengräber in Tschechien. Auch viele deutsche Zivilisten landeten in Massengräbern, die bis heute nicht pietätvoll hergerichtet sind.
Den Abschluss des ersten Seminartages machte der Film „Der Rest ist Österreich - Der Vertrag von St. Germain und die Folgen“ von Walter Seledec und Leo Bauer aus dem Jahr 2014.

Beim Radegast
Der Dienstagmorgen stand im Zeichen eines Ausfluges. Der beliebteste Ausflugsort Pustevny in den Beskiden begrüßte die Teilnehmer mit herrlichem Wetter: Sonnenschein und ohne den Wind, der sonst sehr oft an dem Gebirgskamm bläst. Vom Berg aus reichte die Sicht an diesem Tag bis zur Kleinen Fatra (Malá Fatra) in der Slowakei.
Die hier aufragende Radegast-Statue ist für Kulturreisende und Bierfreunde ein fester Anlaufpunkt. Der heidnische Gott Radegast war der Überlieferung nach der slawische Gott der Sonne, der Fülle und Ertrages, heute ist er unter anderem Namensgeber eines Bieres aus Mährisch-Schlesien. Das Original der Radegast-Statue schuf der akademische Bildhauer Albín Polášek aus Frankstadt unter dem Radhost (Frenštát pod Radhoštěm).
Nach dem Ausflug folgte der von den Seminarteilnehmern ausgewählte Spielfilm von Ernst Marischka „Mädchenjahre einer Königin“ mit Romy Schneider. Der Abend gehörte dann der Unterhaltung zum besseren Kennenlernen mit Gustav Schenk aus Freudenthal (Bruntál).

Gedenken in Meseritsch
Nach Wallachisch Meseritsch (Valašské Meziříčí) ging der Ausflug am Mittwochmorgen. Dort wurde der deutsche Soldatenfriedhof besucht, der Teil eines Kriegsgräberareals ist. Zwischen den deutschen Gräbern befindet sich ein türkisches Denkmal für die hier bestatteten gefallenen Türken aus dem Ersten Weltkrieg. Mehrsprachige Gedenktafeln gedenken hier der Toten weiterer Kriege und Nationen. Man findet auch symbolisch einige Grabsteine von dem früher angrenzenden jüdischen Friedhof. Die Vertreter einiger deutscher Vereine aus Tschechien legten Blumen nieder, trugen sich im Besucherbuch ein und beendeten den Besuch mit einem deutschen Gebet.
Der weitere Weg ging nach Rosenau (Rožňov pod Radhoštěm) in eine Kerzenmanufaktur. Eine freundliche Firmenführung, bei der alle Fragen in Sachen Produktion und Verkauf be antwortet wurden, führte zum Einkauf von Originalerzeugnissen aus Paraffin. Nach dem Mittagessen folgte ein Vortrag von Richard Šulko, dem Vorsitzenden des Bundes der Deutschen in Böhmen (BdDB), zur Deutschen Minderheit in Tschechien. Er beschrieb die Gründung der deutschen Vereine in Westböhmen nach 1989, die Gründung der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien und die eigene Arbeit des BdDB.
Nachdem einige unerschrockene Teilnehmer kurz das nicht beheizte Schwimmbecken ausprobiert hatten, folgte das letzte Abendessen und ein vergnüglicher Abend mit Gustav Schenk. Am letzten Seminartag haben die Teilnehmer die vier Seminartage ausgewertet und sich beim Projektleiter Hans Mattis für die interessante Reise in die Walachei bedankt.

Dieser Artikel erschien im LandesEcho 9/17.

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